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Der Gott des Gemetzels - Schauspiel von Yasmina Reza

Bild: © A_JS designpool
Véronique verteidigt ihre Ansichten
Annette ist angetrunken
Alain - schwer genervt von seiner Frau
Michel - zunächst noch um Contenance bemüht
..."akademische" Diskurse
Annette und Alain verstehen die Houillés nicht
"...nun lasst uns doch alle friedlich bleiben"
"Ich drehe durch hier!"

zuletzt gespielt: 30.04.2012

Über das Stück

Bei einem Streit hat der elfjährige Ferdinand Reille dem gleichaltrigen Bruno Houillé mit einem Stock verprügelt und ihm dabei zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Um das Geschehene vernünftig und zivilisiert aufzuarbeiten, kommen die Eltern der Kontrahenten zu einem klärenden Gespräch zusammen.

Das Treffen beginnt unter den besten Voraussetzungen. Denn die Gastgeber und Eltern des Opfers, die sozialkritische Schriftstellerin Véronique und der Eisenwarengroßhändler Michel, wollen eine friedvolle Übereinkunft herbeiführen. Auf der anderen Seite zeigen sich die Vermögensberaterin Annette und ihr Mann, der erfolgreiche Jurist Alain Reille, zunächst schuldbewusst.

Doch beim Abfassen einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung rückt der eigentliche Grund des Treffens immer mehr in den Hintergrund. Denn während Véronique zunächst an einer eindeutigen Beschreibung des Vergehens und der Konsequenzen gelegen ist, scheint Alain viel mehr an der Lösung eines Arzneimittelskandals interessiert zu sein, als an einer Bestrafung seines Sohnes.

Immer deutlicher werden im Verlauf des Abends die Schwachpunkte der bürgerlichen Identitäten. Und spätestens als die Houillés eingestehen müssen, dass es auch in ihrer Familie nicht immer so friedfertig zugeht, wie sie nach außen hin vorgeben, kommt der Gott des Gemetzels zum Zug und treibt in ständig wechselnden Koalitionen sein wildes Spiel mit den Beteiligten. Yasmina Reza ist eine der erfolgreichsten Bühnenautoren unserer Tage. 

Nachdem ihr für ihre ersten Bühnenwerke bereits eine Vielzahl renommierter Preise verliehen wurde, erhielt "Der Gott des Gemetzels" für die Uraufführung am 01.12.2006 in Zürich den Nestroy-Preis 2007 für die beste deutschsprachige Aufführung.

Noch vor der französischen Premiere avancierte der Text der Pariserin mit 60 Inszenierung innerhalb von zwei Jahren zu einem der erfolgreichsten Stücke der letzten Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum.

Weitere Erfolge folgten auch nach den Erstaufführungen in Frankreich und England 2008 sowie in Amerika, wo dem "Gott des Gemetzels" nach der Erstaufführung 2009 insgesamt 3 Tony-Awards (u.a. für das beste Stück) zugesprochen wurden.

Zweifellos kann dieses Schauspiel als Beispiel für Eugen Ionescos These gelten: "Nehmen wir eine Tragödie und beschleunigen sie, so haben wir eine Komödie". In ihrer zweiten Regiearbeit konzentriert sich Petra Burkschat allerdings eher auf die tragischen Aspekte in den zwischenmenschlichen Verflechtungen ihrer Protagonisten.


Quellen:

www.arlindo-correia.com/yasmina_reza.html
de.wikipedia.org/wiki/Der_Gott_des_Gemetzels
de.wikipedia.org/wiki/Yasmina_Reza
www.nachtkritik.de - Eberth, Michael
www.nachtkritik.de - Kaempf, Simone

Autor: Yasmina Reza

„Für mich ist Schreiben eine Erforschung des Menschlichen, ein Erschließen des Unbekannten," sagt die am 1. Mai 1959 in Paris als Tochter einer ungarischen Violinistin und eines russischen Ingenieurs mit iranischen Wurzeln geborene Yasmina Reza. „Das Schreiben erlaubt mir, andere Leben zu leben.“

Während ihre Familie noch vor dem sowjetischen Regime in den Westen fliehen musste, verlief die Jugendzeit von Yasmina Reza laut ihrer eigenen Einschätzung eher unspektakulär.

Nachdem sie zunächst an der Universität Paris Ouest Nanterre La Défense (auch: Universität Paris X) mehrere Semester Soziologie und Theaterwissenschaften studiert hatte, absolvierte sie an der École internationale de théâtre bei Jacques Lecoq eine Schauspielausbildung.

Anschließend spielte sie einige Jahre an verschiedenen Bühnen in Frankreich, so z.B. 1986 am Théâtre Montparnasse unter der Regie von Jacques Nerson als "Madame" in "Le Veilleur de nuit" von Sacha Guitry.  Anfang der 80er Jahre war sie in Nebenrollen auch im Kino zu sehen.

1983 Jusqu'à la nuit verfasste sie ihr erstes Drehbuch. In dem wenig beachteten, von ihrem Lebensgefährten Didier Martiny verfilmten, gemeinsamen Erstlingswerk wirkte neben Pierre Arditi und Patrice Kerbrat auch Yasmina Reza selbst in der weiblichen Hauptrolle Simra mit.

Ihren ersten großen Erfolg als Autorin feierte Reza vier Jahre später mit Gespräche nach einer Beerdigung. 1987 wurde sie für dieses Debütstück direkt mit dem Prix Molière ausgezeichnet. 
Im Jahr darauf verfasste sie eine Bühnenadaption von Kafka's "Die Verwandlung", die von  Steven Berkoff am "Théâtre du Gymnase Marie Bell" inszeniert wurde. Roman Polanski mutierte darin als Grogor Samsa zum Käfer und erhielt daraufhin eine Nominierung als bester Schauspieler für den Prix Moliére 1988.

Während Polanski dabei noch leer ausging, wurde bereits das nächste Stück von Yasmina Reza wieder mit dem wichtigsten französischen Theaterpreis bedacht. Die Reise in den Winter wurde 1988 als bestes regionales Theaterstück geehrt. Patrice Kerbrat, ihr Filmpartner aus Jusqu'à la nuit, hatte die prämierte Inszenierung in Orléans auf die Bühne gebracht.

Mit dem mehrfach ausgezeichneten Stück Kunst (1994), spätestens aber mit Drei Mal Leben (2000) avancierte Yasmina Reza in den vergangenen zehn Jahren schließlich zur weltweit meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerin.

 Daneben veröffentlichte die Autorin seit 1998 aber auch Texte, die nicht ursprünglich der Bühne zugedacht sind. Kritische Beachtung fand dabei ihre Reportage Frühmorgens, abends oder nachts, in der sie 2007 den Wahlkampf des französischen Präsident Nicolas Sarkozy dokumentierte.

Reza 1Die ansonsten von ihr verfassten Prosa-Texte, wie die Essay-Sammlung Hammerklavier (1997) und Romane wie Eine Verzweiflung (1999) oder Adam Haberberg (2004) erinnern angesichts der oft monologischen oder dialogischen Struktur oftmals auch an Theatertexte. Und so verwundert es kaum, dass Rezas Roman Im Schlitten Arthur Schopenhauers (2005) bereits im Jahr nach seiner Veröffentlichung als Bühnenstück im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt wurde.

Dies mag auch Rezas Präferenz für das Theater unterstreichen. Die Freiheit der Prosa gibt ihr zwar "tausend Möglichkeiten, aber die wenigsten davon lassen sich realisieren." 
Wenn man sich beim Schreiben nicht früh genug auf gewisse Dinge konzentriere, verwandele sich die totale Freiheit schnell in Seenot. "Deshalb mag ich Vorgaben, auch und gerade bei der Prosa., Demgegenüber sei das moderne Theater gewissermaßen der Gipfel an Vorgaben, das Königreich der Konzentration." 
Die Kunst bestehe darin, innerhalb dieses fixen Rahmens die größtmögliche Phantasie zu entwickeln.

Wie sie einen solchen Rahmen zu füllen weiß, bewies die Autorin auch in ihrem Schauspiel Der Gott des Gemetzels (2006). 
Getreu der These Ionescos, nach der eine Tragödie durch Beschleunigung zur Komödie werde, konfrontiert Reza darin zwei Ehepaare mit den Folgen der Schlägerei ihrer Söhne, bis der zivilisierte Versuch einer Schlichtung in ein rasantes zwischenmenschliches Desaster entgleitet.

In Amerika wurde der Text 2009 mit dem Tony Award für das beste Stück ausgezeichnet. Eine weitere Auszeichnung für diese Geschichte erhielt Yasmina Reza im Februar 2012 gemeinsam mit Regisseur Roman Polanski, als dem gleichnamigen Film mit Jodie Foster, Christoph Waltz, Kate Winslet und John C. Reilly der César für das Beste adaptierte Drehbuch zugesprochen wurde.

Nach wie vor lebt die Mutter einer Tochter (Alta, 1988) und eines Sohnes (Nathan, 1993) in der Wahlheimatstadt ihrer Großeltern: Paris.

Bühnenrechte

Übers.: Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Bühnenrechte: Theaterverlag Desch


Mitwirkende

vor der Bühne

auf der Bühne

Michel Houillé:

Véronique Houillé:

Annette Reille:

Alain Reille:

hinter den Kulissen

Bühnenbild:

Technische Leitung:

Kostüme:

Maske:

Organisation:

Fotos:

Programm / Werbung:

Programm / Werbung:


Presse

Presse Text

Ansichten im Abseits
Kleine Bühne spielt „Der Gott des Gemetzels“
(HAZ - Stadt-Anzeiger vom 12.04.2012)
von Karin Vera Schmidt


Die Kleine Bühne der Lukaskirche in Vahrenwald inszeniert das Stück „Der Gott des Gemetzels“. Darin geht es um zwei Ehepaare, die einen Konflikt ihrer Kinder beenden sollen und darüber selbst in Streit geraten.

Vahrenwald. Vier rote Cocktailsessel, eine gepflegte Wohnzimmeratmosphäre, Kaffee, Kuchen, Cognac. Es könnte eine angenehme Begegnung werden. Doch mehr und mehr erweist sich, dass die Hölle nicht nur die anderen sind, wie Sartre sagte, sondern auch in jedem selbst steckt.

Die Grundsituation: zwei Ehepaare treffen aufeinander, deren Söhne sich gestritten haben, wobei einer dem anderen mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen hat. Dieses Geschehen soll von den Erwachsenen zivilisiert aufgearbeitet werden - doch es entgleist immer mehr. Die Kleine Bühne der Lukaskirche hat das 2006 in Zürich uraufgeführte Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza für sich inszeniert. In ihrer zweiten Regiearbeit konzentriert sich Petra Burkschat auf die tragischen Aspekte im Zwischenmenschlichen und erreicht dadurch auch komische Momente.

„Ich möchte, dass die Zuschauer sich mit den Protagonisten auseinandersetzen“, erklärt Burkschat, daher habe sie die „lustigen Momente“ nicht zu sehr zur Komödie überspitzt. Es sei einfach zu spannend, wie sich diese Charaktere entwickelten und immer mehr ihre Masken fallen ließen.

Zunächst allerdings bemühen sich Véronique Houillé (Anja Dompke), Michel Houillé (Olaf Daum), Annette Reille (Anja Schlieper-Ludin) und Alain Reille (Jens Schlieper) um eine möglichst rationale Klärung des Konflikts. Eigentlich geht es nur darum, dass sich der elfjährige Ferdinand Reille bei dem gleichaltrigen Bruno Houillé für den Vorfall entschuldigen soll. Doch zunehmend verstricken sich die Eltern in ihre eigenen Konflikte und lassen bürgerliche Gepflogenheiten hinter sich - wobei auch Alkohol zunehmend eine Rolle spielt.

So entsteht ein Karussell der Koalitionen, ein illustres jeder mit jedem, bei dem die ursprünglichen Paarkonstellationen und Ansichten immer mehr ins Abseits geraten. Vor diesem Hintergrund kann „Der Gott des Gemetzels“ sein willkürliches Treiben mit den Beteiligten spielen, wodurch schon bald das eigentliche Problem aus dem Blickfeld gerät. Diese Inszenierung zeigt keinen Ausweg aus dem im Prinzip marginalen Konflikt zwischen Kindern (was im Original auch nicht angelegt ist). Dafür gibt es tiefe Einblicke in Diskussionsstrukturen, die sicher dafür garantieren, dass eine nachhaltige Lösung ausbleibt.


Presse Bilder


Presse Zusatzmaterial

Die Premiere von „Der Gott des Gemetzels“ beginnt am Sonnabend, 14. April, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen sind Sonntag, 15., und Donnerstag, 19. April, um 19.30 Uhr, Sonntag, 22.April, um 16 Uhr, sowie Dienstag, 24., Mittwoch, 25., Freitag, 27., Sonntag, 29., und Montag, 30. April, jeweils um 19.30 Uhr. Alle Vorstellungen sind im Theatersaal der Lukasgemeinde, Eingang Rolandstraße, zu sehen. Der Eintritt kostet neun Euro (ermäßigt sieben Euro). Karten können unter der Telefonnummer 8489645 oder unter www.diekleinebuehne.de vorbestellt werden.


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