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Drei Sekunden - Schauspiel von Nino Haratischwili

zuletzt gespielt: 13.05.2017

Über das Stück

Julia Strawinsky hat einfach Pech. Wie man so sagt, war sie zur falschen Zeit am falschen Ort und eine Selbstmörderin läuft ihr vor das Auto.

Wäre Charlotte Prat, so heißt die Tote, doch nur drei Sekunden später…

Wäre, hätte,  wenn und aber – in diesem, wie auch in vielen anderen Fällen ein oft sinnloses Überdenken der Situation.

Denn Charlotte ist eben nicht drei Sekunden später, sondern genau in der einen Sekunde vor das Auto von Julia gelaufen. Diese drei Sekunden werden das Leben aller Beteiligten verändern.

Nicht nur für Charlotte, deren Versuch erfolgreich war, sondern auch für Julia, ihre Schwester Margot und Charlottes Tochter Patricia sowie alle anderen im Umfeld der handelnden Personen bleibt das Leben nicht mehr, wie es war.

Wieder und wieder fragt sich Julia, warum ausgerechnet ihr dieses Unglück passiert ist. Das Ereignis drängt sich immer mehr in ihr Leben und bestimmt den weiteren Verlauf.

Am Ende des Stückes ist auch Julia an ihrem persönlichen Ende angelangt.

„Drei Sekunden“ ist ein Stück über die Relativität der Zeit und welche Auswirkungen sie auf unser aller Leben hat.

Eine Sekunde ist, physisch gemessen das  9 192 631 770-fache  der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Nuklids Cs-133 entsprechenden Strahlung, oder etwas volkstümlicher, der 86.400 te Teil des mittleren Sonnentages.

Aber eine Sekunde im Leben eines Menschen bedeutet so viel mehr als die reine Definition: Sekunden können ganze Lebensläufe verändern.

 

So auch in „Drei Sekunden“, einer leisen Erzählung über Unglück, Schicksal und Schuld, über Leben und Sterben, über Aktion und Reaktion.

 

 

Autor: Nino Haratischwili

Am 8. Juni 1983 wurde Nino Haratischwili in Tiflis geboren.
Bereits in der Kindheit begeisterte sie sich für Theater und schrieb eigene
Stücke. Mit fünzehn Jahren gründete sie an ihrer Schule das deutsch-georgische
"Fliedertheater", das sie bis 2003 leitete und mit dem sie an verschiedenen
georgischen Theatern und in Bremen gastierte. Es liegt nahe, dass sie im
Anschluss an ihre Schulzeit von 2000 bis 2003 an der Staatlichen Universität für
Theater und Film in Tiflis zunächst Regie studierte. Im Anschluss folgte ein
Studium der Theaterregie an der Theaterakademie in Hamburg, das Haratischwili
2007 abschloss.
Noch während des Studiums begeisterte sie das deutsche Publikum mit der
Uraufführung ihres ersten Theaterstücks "Z", das sie 2006 im Thalia-Theater in
Hamburg selbst inszenierte. Noch im selben Jahr präsentierte sie im Rahmen der
Werkstatttage am Burgtheater Wien ihr zweites Stück "Drei Sekunden".
Mit 17 Uraufführungen in Deutschland und Georgien avancierte Nino Haratischwili
anschließend  schnell zu einer preisgekrönten Theaterautorin und Regisseurin.
So erhielt sie 2008 den Autorenpreis für Liv Stein am Heidelberger Stückemarkt
und den Rolf-Mares-Preis in der Kategorie „Außergewöhnliche Inszenierung“ für
Agonie. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen wurde Nino Haratischwili am 4.
März 2010 für ihre herausragende literarische Leistung mit dem
Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet.
Ihr Romandebüt Juja (2010) war auf der Longlist des Deutschen Buchpreises sowie
auf der Shortlist des ZDF-aspekte-Literaturpreises vertreten und gewann 2011 den
Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck. Im selben Jahr wurde sie für ihren
zweiten Roman Mein sanfter Zwilling (FVA 2011) mit dem Preis der Longlist der
unabhängigen Verlage ausgezeichnet. Anschließend erschien ihr Einakter Die
zweite Frau in der Anthologie Techno der Jaguare (2013). Für ihren neuen Roman
Das achte Leben (Für Brilka) erhielt sie ein „Grenzgänger“-Stipendium der
Robert-Bosch-Stiftung für Recherchen in Russland und Georgien und wurde mit dem
Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2015 ausgezeichnet.


Mitwirkende

vor der Bühne

Regie:

auf der Bühne

Julia Strawinsky:

Margot Strawinsky:

Patricia Prat:

Malcom Porter:

Luis Strawinsky (Stimme):

Carla Strawinsky:

Martin:

Gemälde gezeichnet von:


Presse

Presse Text

Suizidalität – ein Tabu-Thema?

 (von Mareike Ernst, Die kleine BÜHNE)

Suizidalität besitzt eine große Relevanz in unserer Gesellschaft: laut des statistischen Bundesamtes nehmen sich jedes Jahr in Deutschland rund 10.000 Menschen das Leben. Die Anzahl der Suizidversuche liegt weitaus höher. Das Thema „Suizid und Suizidalität“ ist dennoch häufig ein Tabu-Thema. Es löst oftmals Angst, Unsicherheit und Hilflosigkeit aus. Darf ich über so etwas sprechen - und wenn ja, wie?

Aufgrund des sogenannten „Werther-Effektes“ sind Medien dazu angehalten auf eine angemessene Berichterstattung bei Suiziden zu achten. Der Werther-Effekt geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Mediendarstellung eines Suizides sowie der darauf folgenden Steigerung der Suizidrate (Nachahmungssuizide) gibt. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass es darauf ankommt wie die Berichterstattung bzw. Darstellung erfolgt. So ist es beispielsweise schädlich, wenn ein Suizid reißerisch und in großen Schlagzeilen publiziert wird. Werden dagegen konstruktive Wege aus einer Krise aufgezeigt, kann dies sogar als Suizidprophylaxe dienen.

 

Doch wie ist das Thema „Suizid“ in einem Theaterstück zu betrachten?

Die kleine Bühne führt mit dem Drama „Drei Sekunden“ ein Stück auf, welches sich intensiv mit einem erfolgten Suizid auseinander setzt. Es sind mehrere Aspekte darin enthalten, die einem negativen Effekt entgegenwirken. Der Suizid wird nicht als eine Art „romantische Lösung“ dargestellt, vielmehr zeigt es die verheerenden Auswirkungen auf das Umfeld auf. Die Betroffenen trauern, sie sind überfordert und zeigen auch Wut auf das Geschehene. Zudem werden sowohl die Hauptfigur Julia als auch die Suizidentin Charlotte nicht als „Heldinnen“ dargestellt, sodass eine Vorbildfunktion erschwert wird. Weiterhin wird Julia im Stück aufgefordert, aufgrund ihres Leidensdrucks einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Ebenso berichtet ihre Schwester Margot, dass sie „professionelle Hilfe“ dazu holen werde, um Julia zu helfen. Dies macht deutlich, dass die Krisensituation keinesfalls hoffnungslos ist, sondern es durchaus Möglichkeiten und Anlaufstellen gibt, um diese Krise zu überwinden.

 

Das Stück sollte als Chance gesehen werden, um über Suizid und deren mögliche Auswirkungen aufzuklären sowie Wege aus der Krise aufzuzeigen. Es wird daher zu jeder Vorstellung Informationsmaterial bereitgelegt. Dieses beinhaltet neben diversen Adressen und Hilfsangeboten für Betroffene und deren Angehörige auch Hinweise zum Umgang mit einer Krisensituation.


Videos

Film und Schnitt: Ben Junggebauer, Die kleine BÜHNE