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Popcorn - Schauspiel von Ben Elton

Bild: © A_JS designpool

zuletzt gespielt: 04.05.2013

Über das Stück

Eine Welle der Entrüstung schwappt durch die Gazetten, als Kultregisseur Bruce Delamitri mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Immerhin gilt der Schöpfer bluttriefender Gewaltfilme und obszöner Thriller als mitverantwortlich für die brutale Mordserie, die seit Wochen das Land in Atem hält.

Die Anschuldigungen, seine Filme könnten die Handlungen anderer in irgendeiner Weise beeinflussen oder gar initiieren, weist Bruce jedoch mit intellektueller Arroganz weit von sich. Vielmehr sieht er seine Filme nur als ironische Überhöhung und sarkastische Abbildung der Realität.

Als er aber am Morgen nach der Preisverleihung seinen Triumph in den Armen des Nacktmodells Brooke Daniels feiern will, sieht er sich unversehens mit eben dieser Realität konfrontiert. Denn das Mörderpärchen Wayne Hudson und seine Freundin Scout, das von der Presse als „Mall-Killer“ bezeichnet wird, stattet dem Meister höchstpersönlich einen Besuch ab.

Produzent Karl Brezner ahnt nicht, wem er sich ausliefert, als er mit seinem Regisseur die negativen Folgen seiner Auszeichnung diskutieren will. Und auch Farrah Delamitri, die mit Tochter Velvet hereinschneit, muss bald einsehen, dass es an diesem Morgen sehr viel existentiellere Probleme zu bewältigen gibt, als die Scheidung von ihrem Mann Bruce.

Denn für Wayne sind die unerwarteten Gäste willkommene Statisten für den todbringenden Plan, den er in einer Mischung aus brutaler Naivität und genialem Wahn ersonnen hat, um sich und seine Geliebte Scout vor dem elektrischen Stuhl zu retten…   Als der britische Autor Ben Elton 1996 sein provokantes Stück veröffentlichte, hatte die Debatte über die Verherrlichung der Gewalt in der Kunst und in den Medien auf einem Höhepunkt. Vor allem die mediale Verantwortung für die steigende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft ist seitdem ständiger Anlass für die öffentliche Auseinadersetzung.
Doch der Autor lässt sich in „Popcorn“ nicht auf die allzu simple Argumentationslinie nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip ein. Vielmehr nimmt er jeden Einzelnen ins Visier und fragt nach der Verantwortlichkeit für unser eigenes Handeln, die wir nur zu gern auf andere schieben, statt selbst dafür einzustehen.
Er verzichtet darauf, mit moralischem Zeigefinger die Partei einer Seite zu ergreifen, und lässt seine Protagonisten im Dissens verschiedener Argumentationslinien aufeinanderprallen. Mit einem gehörigen Seitenhieb auf die Medien und Hollywoodwahn entwickelt der Meister der geschliffenen Pointe ein verstörendes Bühnenstück.

In ihrer ersten gemeinsamen Regiearbeit nehmen sich Daniel van Vugt und Nabila Schönau dieses Stoffes an und inszenieren ein für DIE kleine BÜHNE ungewöhnliches Stück in der langen Reihe erfolgreicher Schauspiele: unheimlich beklemmend, bitterbös-komisch und zugleich hochmoralisch und zutiefst makaber.

Autor: Ben Elton

Einer der populärsten und erfolgreichsten Comedy-Autoren und Stand Up Comedians kam am 3. Mai 1959 als Benjamin Charles Elton im Londoner Bezirk Lewisham zur Welt. Um eine Basis für die ursprünglich geplante Karriere als Theaterregisseur zu bekommen, absolvierte der Sohn des britischen Bildungsforscher Lewis Elton ein Schauspielstudium in Manchester.

Nachdem er 1981 eine Folge der Britischen Comedy-Serie „Three of a Kind“ verfasst hatte, war er im Jahr darauf auch selbst erstmals auf dem Bildschirm zu sehen. In der von ihm geschriebenen dreiteiligen Comedy-Serie „Nothing to Worry About!“ stand er gemeinsam er u.a. mit Emma Thompson und Hugh Laurie vor der Kamera. Mit der inzwischen mehrfachen Golden-Globe- und Oscar-Preisträgerin Thompson und dem als „Dr. House“ berühmt gewordenen Laurie traf er im Laufe der Jahre auch für andere Projekte immer wieder.

Erste Bekanntheit erlangte Elton 1982 aber als Co-Autor der BBC-Sitcom-Serie „The Young Ones“. Die Geschichte um eine ausgeflippte Studenten-WG entwickelte er gemeinsam mit seinem Studienkollegen Rik Mayall und dessen damaliger Lebensgefährtin Lise Mayer, der Tochter ihres gemeinsamen Studienleiters. Obgleich von der Serie bis 1984 in 2 Staffeln nur 12 Folgen entstanden, wurde sie sehr beliebt und gelangte in einer Zuschauerbefragung der BBC 20 Jahre später immerhin auf Platz 31 von mehr als hundert der beliebtesten britischen Sitcoms.

Parallel dazu schrieb er auch Sketche für die Comedy-Serien „Alfresco“ (1983/1984), in der er auch selbst mitwirkte, und „Spitting Image“ (1984). Später folgten die ebenfalls beliebten Comedy-Serien „Happy Families“ (1985) und „Filthy Rich & Catflap“ (1986).

Zu einer der führenden Persönlichkeiten in der Zunft der britischen Comedy-Stars avancierte Elton jedoch ab 1986, als er gemeinsam mit Richard Curtis die Drehbücher zu der zweiten bis vierten Staffel der „Blackadder“–Reihe verfasste. Die über mehrere Generationen reichende Geschichts-Satire mit Rowan Atkinson wurde u.a. mit mehreren British Academy Film Awards und einem Emmy ausgezeichnet.

Gemeinsam mit Atkinson und Curtis entwickelte Elton 1986 auch Rowan Atkinsons Bühnenshow „The New Review“. 1990 stammte auch die Episode „The Exam“ in der ersten Folge der „Mr. Bean“-Reihe von Ben Elton.

Knapp sechs Jahre später knüpften Edson und Atkinson noch einmal an die gemeinsamen Erfolge an: Die beiden Staffeln der von Ben Elton geschriebenen Comedy-Serie „The Thin Blue Line“ („Inspektor Fowler") wurden 1996 als beste neue Fernsehcomedy mit dem British Comedy Award und in Reims mit dem Publikums- und dem Jurypreis ausgezeichnet.

Aber Ben Elton machte sich auch immer wieder als Akteur auf der Bühne, im Fernsehen und im Film einen Namen. Neben seinen Rollen in „Nothing to worry about“ hatte er auch bei den „Young Ones“ Gastauftritte als Comedian. Später war er u.a. in „Saturday Live”, „The Ben Elton Show” und der Stand up Comedy „The Man From Auntie” zu sehen, die 1991 mit dem Writers Award der Royal Television Society ausgezeichnet wurde.

Als Filmschauspieler war Elton erstmals 1992 zu sehen, als er in der Mini-Serie „Stark“ mitwirkte. Für die Verfilmung seines in Australien angesiedelten Romanerstlings verfasste er auch das Drehbuch. Im selben Jahr trat er in der Rolle des Verges an der Seite von Michael Keaton auch in Kenneth Brannaghs hochgelobter Shakespeare-Verfilmung „Viel Lärm um nichts“ vor die Kameras.
Seinen ersten eigenen Spielfilm schrieb und inszenierte Elton im Jahr 2000 mit der romantischen Komödie „Maybe Baby“, in der Joely Richardson an der Seite von Hugh Laurie spielte.

Als Romanautor trat Ben Elton erstmals Ende der 80er Jahre in Erscheinung. Ab seinem Debut „Stark“ („Letzter Countdown“, 1988) wurden mehrere seiner Werke zu Bestsellern und teilweise auch mit Auszeichnungen geehrt. So erhielt er für seinen Roman „Popcorn“ von 1996 den Gold Dagger Award der britischen Crime Writers Association (CWA). Gleichzeitig landete er auf Platz 1 der britischen Bestsellerlisten – ebenso wie zuvor schon „Gridlock“ („Abgefahren“) von 1991 und „This Other Eden“ von 1993. „Dead Famous“ („Tödlicher Ruhm“, 2001) wurde mit dem schwedischen Krimipreis 2003 ausgezeichnet. Eltons jüngster Roman „Two Brothers“ um zwei Halbbrüder im Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre erschien Ende 2012.

Daneben entstanden auch vier Bühnenstücke: „Gasping“ (1990), „Silly Cow“ (1991), „Blast from the Past“ (1997) und die Adaption seines Romans „Popcorn“ (1996), die den TMA Barclays Theatre Award als bestes neue Stück sowie den Olivier Award als beste Komödie erhielt.

Parallel dazu wandte sich Ben Elton auch dem Musiktheater zu: „The Beautiful Game“, für das er gemeinsam mit Andrew Lloyd Webber Buch und Songtexte verfasste, wurde im Jahr 2000 in London mit dem Critics Circle Award als bestes Musical ausgezeichnet. Zweifellos ermutigte ihn diese Erfahrung dazu, gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor das Musical „We Will Rock You“ mit der Musik von Queen aus der Taufe zu heben. Seit 2002 wird es in London mit großem Erfolg gezeigt. Es erhielt seitdem unter anderem den Theatergoers Choice Award (2003) als bestes neues Musical und den Laurence Olivier Award (2011) in der Publikumskategorie „Beliebteste Show".

An diesen bis heute anhaltenden Erfolg konnte das dritte Musical aus seiner Feder nicht heranreichen. Die im Oktober 2003 uraufgeführte wild-romantische Liebesgeschichte „Tonight's The Night“, die Elton in die Musik von Rod Stewart einbettete, lief etwas länger als ein Jahr in London und reiste 2006 noch einmal als Tournee über britische Insel.

2005 kehrte Elton gleichsam zu seinen Wurzeln zurück und tourte mit seiner Stand Up Comedy Show  über die britische Insel. Parallel beendete er auch seine mehrjährige Fernsehpause und nahm sich in seiner achtteiligen Sitcom-Serie „Blessed“ den Erlebnisse eines Musikproduzenten an.
2006 zog Elton mit „Get A Grip“ auch durch Neuseeland und Australien, bevor er die auf DVD veröffentlichte.  2007 setzte er den Erfolg in einer gleichnamigen ITV-Show auf dem Bildschirm fort.

Drei Jahre später arbeitete Elton erneut mit Andrew Lloyd Webber zusammen. Gemeinsam mit Glenn Slater schrieben sie das Libretto einer Fortsetzung für „The Phantom of the Opera“, die im März 2010 es als „Love Never Dies“ uraufgeführt wurde.
Kurz darauf kehrte auch „The Beautiful Game“ in neuem Gewand zurück: Eine überarbeitete Fassung des Fußball-Musicals, das ursprünglich im Irland-Konflikt angesiedelt war, wurde im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaften 2010 in Johannesburg als „The Boys In the Photograph“ gezeigt.

Bis heute ist Ben Elton auch ein beliebter Moderator großer Galashows. So war er 1990 der Gastgeber der „Nelson Mandela Celebration“ im Wembley Stadion. 1997 und 1998 führte er durch die Verleihung der Brit Awards, im Jahr 2000 durch die „Royal Variety Show“ und 2006 als Co-Moderator durch die Fernsehshow anlässlich des 30. Jubiläums der von Prinz Charles gegründeten Hilfsorganisation „The Prince's Trust“. Als Elton 2007 die Verleihung der Goldenen Rose in Luzern moderierte, wurde er selbst für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Seit 2004 ist Ben Elton australischer Staatsbürger. Er hat drei Kinder, lebt heute in London und Fremantle, Westaustralien und arbeitet aktuell für BBC1 an einer 6-teiligen Sitcom mit dem Arbeitstitel „Slings and Arrows“.

 


Quellen:

www.boston.com
www.dramaonlinelibrary.com/plays/gasping-iid-13991
www.dramaonlinelibrary.com/plays/popcorn-iid-14013
www.dramaonlinelibrary.com/plays/silly-cow-iid-14009
www.imdb.com/name/nm0255780/
www.presseportal.ch
www.thisistheatre.com
www.wewillrockyou.de/creative-team/76-ben-elton
de.wikipedia.org/wiki/Ben_Elton
de.wikipedia.org/wiki/British_Comedy_Awards
de.wikipedia.org/wiki/Dagger_Award
en.wikipedia.org/wiki/The_Young_Ones_(TV_series)
en.wikipedia.org/wiki/Lise_Mayer
en.wikipedia.org/wiki/Stark_(TV_miniseries)
)

Bühnenrechte

Übers.: Heidi Zerning
Bühnenrechte: Ahn und Simrock Bühnen- und Musikverlag


Mitwirkende

vor der Bühne

auf der Bühne

Bruce Delamitri:

Brooke Daniels:

Karl Brezner:

Farrah Delamitri:

Velvet:

hinter den Kulissen

Bühnenbild:

Ausstattung:

Soufflage / Inspizienz:

Technische Leitung:

Tonbearbeitung/Schnitt:

Kostüme:

Maske:

Organisation:

Programm / Werbung:


Reaktionen des Publikums

Hallo, das war ganz große Klasse !!!!!

Leider mit viel zu wenig Publikum!

Könnte es sein, dass viele wohl lieber etwas " Schönes " sehen, bei dem es mehr Lacher gibt? Für uns war es ein ganz aktuelles kontrovers diskutiertesThema, was gerade mit jungen Eltern mit heranwachsenden Kindern unbedingtbesprochen werden könnte.

Vielen Dank und weiterhin viel Mut und Engagementfür Ihr Theater.

Wir sind das nächste Mal wieder dabei.

Herzliche Grüße von H. und Dr. L. S.